Einzelhandel in Rheinland-Pfalz und im Saarland 2026

Einzelhandel in Rheinland-Pfalz und im Saarland 2026

Veröffentlicht am: 11. Februar 2026Kategorien: HVSUEW, Rheinland-Pfalz, Saarland, Top News

Minimales Wachstum in herausforderndem Umfeld

Der Einzelhandel in Rheinland-Pfalz und im Saarland steht 2026 vor einem Jahr moderater Entwicklung. Während bundesweit ein nominales Umsatzwachstum von zwei Prozent erwartet wird, profitieren auch die beiden Bundesländer von dieser vorsichtigen Erholung. In Rheinland-Pfalz wird ein Gesamtumsatz von rund 32,8 Milliarden Euro prognostiziert, im Saarland sind es etwa 8,4 Milliarden Euro. Real bedeutet dies jedoch nur ein Plus von 0,5 Prozent – das hohe Preisniveau der vergangenen Jahre bleibt bestehen und belastet die Kaufkraft der Verbraucher nachhaltig.

Verhaltene Verbraucherstimmung prägt das Jahr

Die Konsumlaune bleibt 2026 verhalten. Nach dem schwachen Schlussspurt im Weihnachtsgeschäft 2025, das bundesweit nur ein Plus von 1,5 Prozent erreichte, zeigt sich auch für 2026 keine echte Aufbruchstimmung. Der private Konsum wächst lediglich um 0,5 Prozent – und das bei konstanten Sparquoten und nur leicht steigenden Realeinkommen. Die Verbraucher bleiben vorsichtig, die Kaufzurückhaltung ist nach wie vor das dominierende Thema für 81 Prozent der befragten Einzelhändler.

Das HDE-Konsumbarometer und der ifo-Geschäftsklimaindex zeigen: Die Stimmung ist gedrückt. Unternehmen investieren wenig, die geopolitischen Risiken – von der US-Außenpolitik über Konflikte bis zum Hyperwettbewerb mit China – belasten zusätzlich. Hinzu kommt die Unsicherheit durch die politische Lage in Deutschland, die von 37 Prozent der Händler als Top-Risiko genannt wird.

Stationärer Handel unter Druck – Online-Handel wächst weiter

Während der Umsatz im stationären Handel in Rheinland-Pfalz und im Saarland 2026 real kaum wächst, setzt der Online-Handel seinen Erfolgskurs fort. Bundesweit wird für den E-Commerce ein nominales Plus von 4,4 Prozent erwartet – das entspricht real einem Wachstum von 3,5 Prozent. Auch in den beiden Bundesländern dürfte sich dieser Trend widerspiegeln: Verbraucher setzen zunehmend auf die Bequemlichkeit des Online-Shoppings, getrieben von hoher Preisorientierung und wachsender Nutzerzahl.

Für den stationären Handel bedeutet dies zusätzlichen Wettbewerbsdruck. Die Kundenfrequenzen in den Innenstädten sinken weiter: 68 Prozent der Händler berichten von rückläufigen Besucherzahlen in den vergangenen zwei Jahren. Der Attraktivitätsverlust der Innenstädte wird von 38 Prozent als Top-Thema genannt – ein strukturelles Problem, das dringend Lösungen erfordert.

Kostenexplosion belastet Unternehmen massiv

Die größte Herausforderung für den Einzelhandel bleiben die explodierenden Kosten. Bürokratiebelastungen führen die Liste der Probleme an: 59 Prozent der Händler sehen hier dringenden Handlungsbedarf. Energiekosten (36 Prozent), Unternehmenssteuern (32 Prozent) und steigende Arbeitskosten setzen den Betrieben zusätzlich zu. Die Preisentwicklung wird von 46 Prozent als kritisch eingestuft.

Besonders brisant: 77 Prozent der Händler warnen, dass ein weiterer Anstieg der Arbeitskosten negative Beschäftigungseffekte hätte. Seit 2022 hat die Branche bundesweit bereits 60.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze verloren. Im ersten Halbjahr 2026 planen 25 Prozent der Unternehmen, ihre Mitarbeiterzahl zu verringern – nur 7 Prozent wollen aufstocken.

Mit Blick auf die anstehende Tarifrunde 2026 appelliert der Handel an die Gewerkschaft ver.di, mit Augenmaß zu verhandeln. Die letzte Tarifrunde hatte von 2023 bis 2025 Gehaltserhöhungen von 14 Prozent gebracht – angesichts der aktuellen Lage ist kaum Spielraum vorhanden.

Investitionszurückhaltung und strukturelle Probleme

Die schwierige Lage schlägt sich auch in der Investitionsbereitschaft nieder. 30 Prozent der Händler planen für das erste Halbjahr 2026 einen Rückgang ihrer Investitionen, nur 17 Prozent wollen mehr investieren. Schwerpunkte liegen bei Marketing und Kundenbindung (54 Prozent), Geschäftsausstattung (37 Prozent) sowie Personal und Qualifizierung (42 Prozent).

Strukturell kämpft der Einzelhandel mit sinkendem Bestand: Die Zahl der Unternehmen geht zurück, Neugründungen bleiben auf niedrigem Niveau. Gleichzeitig steigt der Wettbewerbsdruck durch Drittstaatenhändler wie beispielsweise Shein und Temu (15 Prozent Nennung), Ladendiebstahl nimmt zu (17 Prozent), und kommunale Belastungen sowie Probleme mit Erreichbarkeit und Parken (18 Prozent) verschärfen die Situation vor Ort.

Forderungen an die Politik

Aus Sicht der Einzelhändler in Rheinland-Pfalz und im Saarland sind die wichtigsten Handlungsfelder der Bundesregierung klar definiert: An erster Stelle steht der spürbare Bürokratieabbau (75 Prozent), gefolgt von der Senkung der Sozialversicherungsbeiträge (65 Prozent) und einer Unternehmenssteuerreform mit Entlastungen (59 Prozent). Auch die Senkung der Stromsteuer und Energiekosten (52 Prozent) sowie Investitionen in attraktive Innenstädte (38 Prozent) werden als essentiell angesehen.

Hinzu kommt der Abbau von Wettbewerbsverzerrungen zu Drittstaatenhändlern (30 Prozent) und die Verbesserung der Infrastruktur (25 Prozent). Ohne diese Maßnahmen droht der Einzelhandel in den beiden Bundesländern weiter an Boden zu verlieren – mit negativen Folgen für Beschäftigung, Innenstädte und regionale Wirtschaft.

Fazit: Schwierige Aussichten für 2026

Der Einzelhandel in Rheinland-Pfalz und im Saarland steht 2026 vor einem herausfordernden Jahr. Mit einem erwarteten nominalen Umsatzwachstum von zwei Prozent (real nur 0,5 Prozent) bleibt kaum Spielraum für Investitionen oder Expansion. Die Branche kämpft mit Kaufzurückhaltung, explodierenden Kosten, sinkenden Kundenfrequenzen und zunehmendem Online-Wettbewerb.

Nur mit gezielten politischen Entlastungen kann der stationäre Handel seine Zukunftsfähigkeit sichern: Bürokratieabbau, Steuersenkungen sowie Investitionen in Infrastruktur und Innenstädte sind unverzichtbar. Die Zahlen zeigen: Es braucht jetzt Handeln, nicht Abwarten.

(Quellen: Handelsverband Deutschland e. V./HDE-Jahrespressekonferenz vom 2. Februar 2026/hv/ks; Bild: )

Die letzten Artikel

Infoblatt: Was wollen meine Kunden im Check-out wirklich?

9. April 2024|Top News|

Das Mittelstand-Digital Zentrum Handel erklärt in ihrem kostenfreien Infoblatt, worauf Sie als Händler, bei dem Thema „Was wollen meine Kunden im Check-out wirklich?“ achten sollten. Sie wollen Ihre Kundenbindung und Kundenzufriedenheit erhöhen? Dann sollten Sie sich mit dem Checkout-Prozess beschäftigen. Auch, wenn das Thema: Payment häufig nicht zu den Kernthemen eines Händlers gehört. Läuft ein Check-Out reibungslos, schnell und einfach ab, wird nicht nur das Einkaufserlebnis verbessert, sondern auch die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass im Shop ein zweites oder drittes Mal eingekauft wird. Wer den richtigen Zahlungs-Mix für seine Kundschaft anbietet, schafft eine positive Kundenerfahrung, stärkt seine Kundenbeziehung und vermeidet Kaufabbrüche. […]

Blogbeitrag: Die vier Handlungsfelder der Digitalisierungsstrategie für KMU

8. April 2024|Top News|

Das Mittelstand-Digital Zentrum Handel hat eine Digitalisierungspyramide entwickelt, um Händlern den Einstieg in die digitale Welt zu erleichtern. Digitalisierung bietet so viele Vorteile für Unternehmen im Einzelhandel. Durch Digitalisierung können betriebliche Abläufe verbessern werden, die Kundenbindung und –zufriedenheit kann erhöht werden und durch digitale Angebote kann es zu Umsatzsteigerungen kommen. Doch wo fängt man am besten an? Um den Einstieg zu erleichtern, gibt das Mittelstand-Digital Zentrum Handel in seinem Blogbeitrag einen Überblick über die vier Handlungsfelder der Digitalisierungspyramide und zeigt Praxisbeispiele.   Die Digitalisierungspyramide umfasst Grundlagen, Integration und Optimierung der digitalen Transformation. Sie setzt sich aus vier übergreifenden Handlungsfeldern zusammen: […]

Online-Seminar am 08. April: Praktische Tipps für erfolgreiche Nutzung von WhatsApp Business im Handel

4. April 2024|Seminare, Top News|

Das Mittelstand-Digital Zentrum Handel gibt am 08. April in ihrem Online-Seminar praktische Tipps zur erfolgreichen Nutzung von WhatsApp Business im Handel. WhatsApp ist für viele von uns zum täglichen Begleiter geworden. Ob Chatten mit den Freunden, Videoanrufe mit den Großeltern oder Sprachnachrichten an Familienmitglieder: Die App ermöglicht einem so gut wie alles. Auch für Unternehmen wird WhatsApp immer interessanter. Sei es zur Vermarktung der eigenen Produkte und Dienstleistungen oder als Kundenservice-Kanal. Den eigenen Onlineshop bestmöglich einrichten, Designs einfach erstellen, Shoppable Posts kennenlernen: Digitalisierung bringt zahlreiche Möglichkeiten mit sich, aber leider auch die typischen Herausforderungen. Damit Ihr diese problemlos bewältigen könnt, […]

Nach oben