E-Rechnungspflicht ab 2027: Handelsunternehmen müssen jetzt aktiv werden
Weniger als sieben Monate bleiben bis zur nächsten Stufe der E-Rechnungspflicht. Ab 1. Januar 2027 müssen Unternehmen mit einem Vorjahresumsatz von mehr als 800.000 Euro im B2B-Bereich strukturierte elektronische Rechnungen ausstellen. Doch eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts YouGov zeigt: Ein Drittel der deutschen Unternehmen hat noch nie eine E-Rechnung verschickt.
Was gilt ab wann?
Die Grundlage schafft das Wachstumschancengesetz, das der Bundesrat im März 2024 verabschiedet hat. Seit dem 1. Januar 2025 gilt bereits die Empfangspflicht: Alle Unternehmen müssen in der Lage sein, E-Rechnungen entgegenzunehmen. Der Versand wird stufenweise verpflichtend:
- Ab 1. Januar 2027: Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 800.000 Euro müssen strukturierte E-Rechnungen für alle inländischen B2B-Transaktionen ausstellen.
- Ab 1. Januar 2028: Die elektronische Rechnung wird in allen Bereichen verpflichtend und unabhängig von der Unternehmensgröße.
Wichtig: Eine normale PDF-Rechnung gilt nicht als E-Rechnung im gesetzlichen Sinne. Zulässige Formate sind XRechnung (reines XML) und ZUGFeRD — ein Hybridformat aus visuell lesbarer PDF-Datei mit eingebettetem strukturiertem XML-Teil. Beide Formate müssen der europäischen Norm EN 16931 entsprechen.
Der Aufholbedarf ist erheblich
Die YouGov-Umfrage im Auftrag der E-Rechnungsplattform Easybill (502 Unternehmen) zeichnet ein ernüchterndes Bild:
- Nur 42 Prozent der Unternehmen versenden regelmäßig E-Rechnungen.
- 25 Prozent haben bisher nur vereinzelt damit experimentiert.
- 33 Prozent haben noch keine einzige E-Rechnung verschickt.
- Nur 37 Prozent kennen die gesetzlichen Anforderungen vollständig.
Noch problematischer: Elf Prozent der Unternehmen arbeiten bei der Rechnungserstellung noch mit Excel, zehn Prozent mit Word. Beide Programme erfüllen die künftigen gesetzlichen Anforderungen nicht.
Bei Unternehmen, die noch nicht vorbereitet sind, dominieren drei Problemfelder: 36 Prozent nennen die technische Umsetzung als größte Hürde, 29 Prozent sind unsicher bei den gesetzlichen Vorgaben, 27 Prozent fehlt das nötige Know-how.
Was Unternehmen jetzt tun sollten
Experten warnen davor, die Systemumstellung auf die letzten Monate zu verschieben. Es geht um mehr als Softwarekauf: notwendig ist eine umfassende Überarbeitung der Geschäftsprozesse von der Bestellung bis zur Zahlung.
Konkret empfiehlt sich folgendes Vorgehen:
- Empfangsfähigkeit prüfen: Seit Januar 2025 ist die Pflicht, E-Rechnungen empfangen zu können, bereits in Kraft. Wer das noch nicht sichergestellt hat, ist bereits im Verzug.
- Software prüfen oder wechseln: Unternehmen sollten prüfen, ob ihre Buchhaltungssoftware E-Rechnungen im ZUGFeRD- oder XRechnung-Format ausgeben kann. Falls nicht, ist ein Upgrade nötig.
- Interne Prozesse anpassen: Nicht nur das Format muss stimmen — auch Ablage, Archivierung und Freigabeprozesse sind zu überdenken. E-Rechnungen müssen gemäß den GoBD-Vorschriften im ursprünglichen elektronischen Format archiviert werden, wobei die Aufbewahrungsfrist in der Regel acht Jahre beträgt.
- Mitarbeiter schulen: Wer die Anforderungen nicht kennt, kann sie nicht umsetzen. Internes Wissen aufbauen lohnt sich jetzt.
Fazit
Die E-Rechnungspflicht ist kein Zukunftsthema mehr. Für Handelsunternehmen im B2B-Bereich mit einem Jahresumsatz über 800.000 Euro zählen ab Januar 2027 nur noch strukturierte digitale Rechnungen. Wer jetzt noch auf Excel oder Word setzt, muss zwingend wechseln und sollte die Umstellung auch als Chance nutzen, Buchhaltungsprozesse zu automatisieren und effizienter zu gestalten. Die Zeit ist knapp.
Mitglieder können das Merkblatt zur E-Rechnung gerne über die Geschäftsstellen des Handelsverbands Südwest anfordern.
(Text/Bild: Pressestelle Handelsverband Südwest/ks)
Die letzten Artikel
Postkarten-Aktion: Ihre Anliegen an die Politik
Zeit zum Handeln/Postkarten-Aktion. Der Handelsverband Deutschland (HDE) lädt Händlerinnen und Händler aus ganz Deutschland ein, Ihre Anliegen an den neu zu wählenden Bundestag und die kommende Bundesregierung mitzuteilen. Auf der Kampagnenwebsite besteht die Möglichkeit, über ein Online-Formular eine virtuelle Postkarte zu generieren. Die Postkarten werden vom HDE gesammelt auf einer virtuellen Pinnwand auf der Kampagnenwebsite veröffentlicht und in Richtung Politik getragen. Mit der Aktion möchte der Handelsverband Deutschland nicht nur gegenüber der Politik, sondern auch gegenüber den Mitgliedsunternehmen verdeutlichen, dass HDE und Handelsverbandsorganisation das Sprachrohr der Branche sind und ihre Anliegen, Wünsche und Anregungen in Richtung Politik transportieren. Damit die
Neuer Fitness-Check unterstützt bei mehr Nachhaltigkeit im Handel
Berlin. Das Mittelstand-Digital Zentrum Handel veröffentlicht seinen neuen Fitness-Check Nachhaltigkeit. Der digitale Check unterstützt Händlerinnen und Händler dabei, einen Überblick über die steigenden Anforderungen an mittelständische Unternehmen im Bereich Nachhaltigkeit zu erhalten und entsprechende Maßnahmen herauszufinden. Wie kann der mittelständische Handel nachhaltiger werden? Die Anforderungen an Unternehmen, einen größeren Fokus auf ökologische Nachhaltigkeit zu legen, kommen aus diversen Richtungen: Durch politische Rahmenbedingungen mit zugehörigen Gesetzen und Richtlinien ebenso wie durch die eigene Kundschaft. Besonders für kleine und mittlere Unternehmen der Handelsbranche ist es daher essenziell, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen. Doch wie lassen sich Prozesse nachhaltiger gestalten? Wie können Ressourcen
5. Deutscher Fußverkehrskongress (FUKO) am 11. und 12. März in Mainz
Mainz. Das Schwerpunktthema beim 5. Deutschen Fußverkehrskongress (FUKO) vom 11. bis 12. März in der Mainzer Rheingoldhalle sind die „Innenstädte der Zukunft“. Ausrichter der „FUKO“ ist das Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland-Pfalz (MWVLW) gemeinsam mit dem Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV). Welche Relevanz der Fußverkehr für Aufenthaltsqualität, Tourismus, Handel, Gastronomie und Kultur hat, soll in Keynotes und verschiedenen Fachforen deutlich werden. Innenstadt der Zukunft Fachwissen und Expertise aus verschiedenen Bereichen werden in den vielfältigen Programmformaten ausgetauscht und Themen des Fußverkehrs debattiert. Ein Schlüssel um hochwertige multifunktionale Zentren zu schaffen, ist das Zufußgehen. Das Gehen ist nicht

